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Dienstag, 17. Juli 2018

Leseförderkonzept

Frau Prof. Bertschi-Kaufmann und Herr Thomas Sommer vom  Zentrum Lesen in der Schweiz beraten unsere Schule.

Seit Juni 2007 gibt es bisher einen losen Kontakt zum Zentrum Lesen in der Schweiz. Zu Stande gekommen ist dieser durch eine gemeinsam Rundfunksendungen, die im Deutschlandfunk und im WDR ausgestrahlt wurde. Vorgestellt wurde hier die Möglichkeiten der Leseförderung, wobei das Konzept der Steinwaldschule als beispielhaft in den Mittelpunkt gestellt wurde.

Anfang November 2007 besuchten drei Kolleginnen und Kollegen das Zentrum Lesen der Fachhochschule der Nordwestschweiz in Aargau. Das Zentrum Lesen unter der Leitung Von Frau Prof. Bertschi-Kaufmann ist eines der renommiertesten Leseforschungszentren im deutschsprachigen Raum.

Für den Bereich der Leseförderung in der Steinwaldschule ist eine Beratung durch das Zentrum Lesen insofern interessant, da die schweizerische Forschungseinrichtung den Fokus ihrer Untersuchungen und Entwicklungen in die gleiche Richtung lenkt, in welche wir unser Förderkonzept ausgerichtet haben.

Zentrale Themen der gemeinsamen Tagung waren vor allem die Weiterentwicklung der Leseförderung in den Jahrgängen 7 bis 10:

Es wurde über Möglichkeiten und Grenzen eines offenen Lesekonzeptes beraten und die bisherigen Forschungsergebnisse zu diesem Bereich der Leseförderung diskutiert. Ansätze für eine entsprechende Konzeptweiterentwicklung an der Steinwaldschule wurden entworfen. Diese werden im laufenden Schuljahr theoretisch weiterentwickelt. In einem Inselversuch sollen erste Erfahrungen in der Umsetzung desselben gesammelt werden.

Ein zweiter Beratungsschwerpunk befasste sich mit Diagnosemöglichkeiten und Testverfahren im Leseförderunterricht. Wir wurden bestärkt in unserem Bestreben, standardisierte Testverfahren einzusetzen, aber auch darin, das professionelle Untersuchungen, wie sie in wissenschaftlichen Studien durchgeführt werden, im Schulalltag nicht zu leisten sind. Wir werden in Zukunft verstärkt auch auf die Darstellung der Leseentwicklung durch individuelle Lesebiografien setzen, um langfristig den Erfolg unserer Arbeit zu prüfen.

Als drittes wurden Verfahren und Beispiele zur Selbststeuerung des Leselernprozesses erörtert.

Eine Menge Fragen und Probleme konnten geklärt werden. Das Leseförderteam um die Projektleiterin Stefanie Stumpf ist mit der Bestätigung für das bereits Erreichte nach Hause gefahren. Weiterhin herrscht Klarheit, worauf wir ab Klasse 7 unser Augenmerk richten werden. Ein zweiter Tagungstermin ist für das kommende Jahr bereits vereinbart worden.

Das Leseförderkonzept der IGS Steinwaldschule

Ayse und Olga sind seit zwei Wochen Leselöwinnen. Wie man das wird? Das ist mitunter nicht so einfach. Für die zwei gilt, sie haben sich das hart erarbeitet und nun redlich verdient, denn neben den Leselöwen gibt es ja noch die Lesefüchse und die Leseratten …

 

Seit mittlerweile zwei Jahren ist es für die Schülerinnen und Schüler in den Jahrgängen 5 und 6 und deren Eltern etwas völlig Normales von Leselöwen oder Lesefüchsen zu sprechen, sind diese Bezeichnungen doch Bestandteile des Konzepts der Schule zur systematischen Leseförderung.

In der Steinwaldschule Neukirchen setzt man sich intensiv mit den Ergebnissen der PISA -Studien auseinander. So ist in den letzten Jahren ein Konzept zur Leseförderung entstanden, das nun schon seit zwei Jahren erfolgreich erprobt wird und über die Schulgrenzen hinaus mittlerweile auf großes Interesse stößt. Inzwischen findet man das Konzept nicht nur im Bildungsserver Hessen, sondern auch in dem von Baden-Württemberg; zwei renommierte Fachzeitschriften werden das Konzept in diesem Jahr veröffentlichen.

Wer die PISA-Ergebnisse zur Kenntnis genommen hat, weiß, dass es gerade in der Lesekompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler große Defizite gab und gibt. Und wer eigene Kinder hat, dem ist zudem klar, wie selten und oft schlecht Kinder heutzutage lesen. Ziel der ersten Phase des Leseförderkonzeptes ist es, dass jedes Kind, das die Steinwaldschule besucht, am Ende des 6. Schuljahres in der Lage ist, den Sachtexten des Fachunterrichtes ab Klasse 7 ohne größere Schwierigkeiten gewachsen zu sein.

In einem Leseeingangstest wird die Leseleistung eines jeden Kindes zu Beginn des 5. Jahrgangs ganz individuell festgestellt. In unterschiedlichen Lesegruppen, den Lesefüchsen, Leselöwen und den Leseratten arbeiten die Kinder dann mit ausgewählten, oftmals von den Lehrerinnen selbst entwickelten Materialen zur Verbesserung des texterschließenden Lesens. Auch das Lesen von Büchern erhält einen ganz neuen Stellenwert - und häufiges Lesen wird belohnt. Dafür gibt es Diplome und Urkunden für die Kinder und Lobbriefe an die Eltern. Dass das Wirkung zeigt, wird sichtbar, wenn man sich vorstellt, dass in der Gruppe der Lesefüchse, das sind die schwächsten Leser, im Durchschnitt jedes Kind in einem Schuljahr sieben Bücher gelesen hat. Wobei man zu jedem Buch am Ende Verständnisfragen beantworten muss.

Lesen kann anstrengend sein - das mag natürlich für einige immer noch gelten. Was wir eher bemerken, ist eine wachsende Begeisterung bei vielen Schülerinnen und Schülern, Bücher zu lesen. Da ist zum Beispiel Johanna aus der 5, die sich anfangs regelrecht verweigerte, ein Buch zu lesen, und nun schon selbst drängelt, weil sie ein neues Buch von ihrem Lesekurslehrer haben möchte. Ist das nicht wunderbar.

Ziel ist es, im kommenden Halbjahr die konzeptionelle Vorarbeit für die zweite Phase des Lesekonzeptes über die Klassen 5 und 6 hinaus abzuschließen. Gute Voraussetzungen sind dafür gegeben, besitzt die Schule doch schon langjährige Erfahrungen mit schülerorientierten Unterrichtsansätzen im Literaturunterricht, wie etwa die jährlichen Buchvorstellungen, das Erstellen von Lesetagebüchern. Seit kurzem besteht eine Partnerschaft mit der Neukirchener Buchhandlung am Markt, die wird die Vermarktung von Hörspielen aus dem Unterricht übernehmen; außerdem werden Schüler und Schülerinnen ein Schaufenster mit ihren Lieblingsbüchern gestalten können.

Wie für eine Versuchsschule üblich, ist es auch bei diesem Schwerpunkt wichtig, mit geeigneten Partnern aus Forschung und Bildung zusammenzuarbeiten. Seit zwei Jahren gibt es eine Partnerschaft zum Thema Lesen mit der Philipps-Universität in Marburg. Zu diesem Zweck wurde von Frau Professorin Dr. Ackermann ein Seminar eingerichtet, in dem Studierende den Unterricht in Neukirchen beobachten und Elemente des Konzepts kritisch hinterfragen. - Für den Frühsommer ist eine Fortbildung für interessierte Lehrerinnen und Lehrer geplant

Und Ayse und Olga? Zu Beginn waren sie Lesefüchsinnen. In dieser Gruppe haben sie unter anderem geübt, ganze Sätze mit dem Auge zu erfassen, um dann mit dem Auge beim Lesen schon weiter zu sein als mit dem Mund. Sie haben viel gelesen, zusammen im letzten Jahr wohl um die zwanzig Bücher. Das berechtigte sie in die Lesegruppe der Löwen aufzusteigen, weil sie nun mittlerweile viel sicherere Leserinnen geworden sind, die vor den Fachtexten der Lehrbücher in Klasse 7 keine Bange haben brauchen und die sicher auch ihre Lust am Lesen nicht verlieren werden.

Im Bild (von links): Olga Krutych und Ayse Kaya aus der Klasse 6e präsentieren stolz ihre Stapel Bücher, die sie in diesem Schuljahr bereits gelesen haben.